Entwicklung des sozialverantwortlichen Handelns mit und für eine mehrsprachige und interkulturelle Gesellschaft

Einleitung

In diesem Modul werden Konzepte und Methoden vorgestellt. Diese bewirken ein Hervorbringen aktivistischer Maßnahmen, die als Akteure des Wandels das Leben in der Gemeinschaft verändern können. Das Modul bietet einen allgemeinen Überblick, was eine Anwendung in jedem spezifischen Kontext ermöglicht. Dabei liegt der Schwerpunkt stets auf Aspekten, die in Zusammenhang zu Interkulturalität und Mehrsprachigkeit stehen. Das Modul besteht aus drei Einheiten: Einheit 1 mit dem Titel ,Definition von Interkulturalität und Mehrsprachigkeit aus Perspektive des sozialverantwortlichen Handelns‘, Einheit 2: ,Schlüssel einer Gestaltung aktivistischer Maßnahmen mit Rückgriff auf eine interkulturelle und mehrsprachige Perspektive’, und Einheit 3: ,Leitlinien für die Gestaltung von sozialverantwortlichem  Handeln‘.

Dieses Modul deckt ein breites Spektrum an Themen ab, die dem grundlegenden Ziel des BOLD-Projekts dienen, das sozialverantwortliche Handeln aus einer mehrsprachigen und interkulturellen Perspektive heraus zu fördern. Im Einzelnen wird in der ersten Einheit dieses Moduls das Konzept der Interkulturalität in demokratischen Gesellschaften aus einer kritischen Perspektive heraus betrachtet. Die zweite Einheit legt Kriterien dar, die berücksichtigt werden sollten, um Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in aktivistische Maßnahmen zu integrieren. In der dritten Einheit wird eine neue integrative Methodik für die Gestaltung von Maßnahmen vorgestellt, die auf den zuvor beschriebenen Konzepten basiert. Alle Einheiten beinhalten Aktivitäten zur Reflexion und zur Diskussion.

Dieses Modul verfolgt das Ziel, Merkmale der Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in die Gestaltung sozialverantwortlicher Maßnahmen zu integrieren. Das Endergebnis besteht darin, Vorraussetzungen für einen neuen Ansatz des sozialverantwortlichen Handelns durch das Prisma der interkulturellen Praxis zu schaffen.

Ana Ruiz-Sánchez und Manuel Alcántara-Plá

(Universidad Autónoma de Madrid)

Nach Abschluss dieses Moduls werden die Teilnehmenden in der Lage sein:

  • Den Einfluss und die Bedeutung, die interkulturellen Ansätzen zukommt, zu verstehen;
  • Den Wert eines respektvollen interkulturellen Aktivismus‘ für demokratische Gesellschaften zu identifizieren;
  • Die Komplexität dessen zu verstehen, sozialverantwortliches Handeln in mehrsprachigen und multikulturellen Kontexten zu definieren;
  • Über eine grundlegende methodologische Kompetenz in Bezug auf interkulturelles sozialverantwortliches Handeln zu verfügen.

Die Zielgruppen dieses Moduls stimmen vollständig mit denen des BOLD Projekts überein. Insbesondere:

  • Lehramtsstudierende an Hochschulen: dieses Modul leistet einen kritischen Beitrag zum Aufbau der Fähigkeiten der Lehramtsstudierenden zu einer gesellschaftlichen Veränderung beizutragen, indem sie einen respektvollen interkulturellen und mehrsprachigen Aktivismus fördern. In einem multikulturellen Umfeld werden Bottom-Up-Maßnahmen parallel zu den Lehrplänen als notwendig erachtet, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren und die demokratischen Werte in mehrsprachigen und interkulturellen Kontexten zu stärken.
  • Verbände der Zivilgesellschaft: dieses Modul bietet Mitgliedern der Zivilgesellschaft einen kritischen Blick auf Themen im Zusammenhang mit interkulturellen Ansätzen sowie auf verschiedene Methoden und Werte für deren Umsetzung im sozialen Aktivismus.

Das Modul besteht aus drei Einheiten:

  • Einheit 1. Mittels einer aktivierenden Methodik stellt diese Einheit einen theoretischen Rahmen vor, der in einen kritischen Ansatz in Bezug auf interkulturelles und mehrsprachiges sozialverantwortliches Handeln einführt.
  • Einheit 2. Diese Einheit legt den Fokus auf Fragen im Zusammenhang mit den Grundsätzen für die Gestaltung sozialverantwortlicher Maßnahmen aus einer interkulturellen Perspektive.
  • Einheit 3. In dieser Einheit wird eine Methodik für die Gestaltung und Bewertung von sozialverantwortlichen Maßnahmen in einem mehrsprachigen und interkulturellen Kontext vorgestellt. Das Ziel der Einheit besteht darin, mit den wichtigsten Schritten der Aktionsplanung vertraut zu werden und grundlegende Fähigkeiten zur Identifizierung und Gestaltung von Strategien für Veränderungen im interkulturellen sozialen Aktivismus zu entwickeln.

8 Stunden.

Die zentralen Materialen des Moduls sind auf eine Vielzahl von Quellen gestützt:

  • Studien, Berichte, akademische Arbeiten angesehener Autor*innen und nationalen sowie internationalen Organisationen, die sich mit interkulturellen Ansätzen für sozialverantwortliches Handeln befassen;
  • Infografiken und Videovorträge, die Erklärungen bieten;
  • Material, das von internationalen Organisationen, NGOs und Hochschuleinrichtungen über deren offizielle Website bereitgestellt wird.

Einheit 1: Mehrsprachigkeit und Interkulturalität aus einer aktivistischen Perspektive

Mehrsprachigkeit und Interkulturalität sind zwei grundlegende Konzepte für die Gestaltung demokratischer Gesellschaften. In dieser Einheit werden wir uns mit dem Konzept der Interkulturalität befassen, indem wir die Beziehung zwischen Sprache und Kultur analysieren. Zudem werden wir die verschiedenen Weltanschauungen und Vorstellungen, die dem Konzept der Interkulturalität zugrunde liegen, einer kritischen Betrachtungsweise unterziehen.

Einheit 1.1. Mehrsprachigkeit und Interkulturalität verstehen

Wie das Konzept der Mehrsprachigkeit, mit dem wir uns in den Modulen E und _ befasst haben, ist auch der Begriff Interkulturalität bereits in diesem Lehrgang erschienen. Um nur ein Beispiel anzuführen: In Modul 5. Crowfunding for multilingual and intercultural purposes, haben wir Beispiele für Kampagnen zur Förderung von Interkulturalität und Mehrsprachigkeit betrachtet. Der Begriff wird heutzutage überaus häufig gebraucht:

  • Interkulturelle Städte
  • Interkulturelle Kompetenzen
  • Interkulturelles Taining
  • Interkulturelle Kommunikation
  • Interkulturelle Mediation
  • Interkulturelle Gestaltung
  • Interkulturelle Citizenship
  • Interkulturelle Anhänger*innen
  • Interkultureller Geist
  • Interkulturelle Führung
  • Interkulturelles Management
  • Interkulturelle Beziehungen
  • Interkulturelle Interaktionen
  • Interkulturelle Höflichkeit
  • Interkultureller Konstitutionalismus
  • Interkultureller Raum

Eine derartige Fülle von Begriffen führt zu der Erkenntnis, dass wir unter dem Konzept der Interkulturalität eine große Vielfalt von Ansätzen fassen können. Das theoretische Ziel dieser Einheit besteht darin, diese zu reflektieren und unser Verständnis der Werte, auf denen sie basieren, zu vertiefen. Auf diese Weise können wir sicherzustellen, dass die von uns konzipierten sozialverantwortlichen Handlungen nicht nur demokratische Werte fördern, sondern, dass ihnen selbst Interkulturalität und Mehrsprachigkeit inhärent sein werden.

Eine derart ambivalente Verwendung der Begriffe interkulturell und Interkulturalität führt dazu, dass sie zu ausgehöhlten Signifikaten werden, d.h. zu häufig gebrauchten Begriffen, hinter denen sehr unterschiedliche Werte stehen und die ihre konkrete Bedeutung in Abhängigkeit von den Personen und Kontexten, in denen sie verwendet werden, und anderen Begriffen, die sie syntaktisch begleiten, konstruiert. Dies verschafft ihnen eine hohe hermeneutische Komplexität, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Die folgenden Beobachtungen werden uns helfen, sie zu analysieren:

1) Die Verwendung von Interkulturalität und interkulturell: Wir finden einen Gebrauch als Substantiv- womit wir Interkulturalität als Konzept meinen- oder als qualifizierendes Adjektiv. Wie wir gesehen haben, erscheint der Begriff in Kombination mit unterschiedlichsten Begriffen und stattet verschiedene Realitäten mit Werten aus. Es kann sich hierbei um sowohl positive als auch um negative Werte handeln und die Wahrnehmung des Begriffes ist ihm nicht selbst inhärent, sondern von dem ideologischen Wert/ den ideologischen Werten, den die/ der Sprechende ihr beimisst, abhängig.

Aktivität

Die Abbildungen 1 und 2 zeigen zwei Plakate für Veranstaltungen in der Stadt Santander    (Spanien), die von der Stadtverwaltung gefördert werden. Zwischen diesen beiden Veranstaltungen liegen zehn Jahre.

  • Welche Werte verbindet diese Einrichtung mit dem Begriff „interkulturell“?
  • Hat sich das Konzept der Interkulturalität Ihrer Ansicht nach im Laufe der Jahre weiterentwickelt?
  • Bestehen ähnliche Erfahrungen in Ihrem Umfeld? Finden Sie Ausdrücke, in denen der Begriff „interkulturell“ erscheint und versuchen Sie, seine Bedeutung zu erklären, indem Sie die Begriffe und die Bilder, die mit ihm in Verbindung stehen, analysieren.

Denkanstoß

Der Europarat definiert interkulturelle Integration als „a policy framework for achieving cohesion, equality and development in culturally diverse societies”, also einen politischen Rahmen, der den sozialen  Zusammenhalt, die Gleichheit und die Entwicklung innnerhalb kulturell diverser Gesellschaften sichern soll. Denken Sie, dass eine interkulturelle Messe die interkulturelle Integration fördert?

Einige Kernpunkte

Wenn wir die Techniken der kritischen Diskursanalyse einsetzten (mehr über dieses Analyseverfahren erfahren Sie hier), können wir bei einer aufmerksamen Betrachtung beider Plakate die Elemente erkennen, mit denen das Konzept der Interkulturalität anfangs in Verbindung gesetzt wurde und die über die Jahre bestehen blieben sind. Außerdem finden wir Elemente, die zu einer Weiterentwicklung des Konzepts geführt haben. Der Ausgangswert bei der Analyse des ersten Plakats besteht in der starken Assoziation zwischen dem Konzept der Interkulturalität und dem Festlichen sowie dem Positiven. Dies zeigt sich insbesondere in der wiederholten Verwendung des Begriffs Festival sowohl auf dem Plakat als auch in den Hashtags der sozialen Netzwerke; die Begriffsverwendung ist wiederkehrend und verstärkt somit die Assoziation. Die Stadt wird zudem als ein geschlossener Raum konzipiert, der für die Vielfalt der Kulturen offen ist, wobei dieser Vielfalt das Territorium der „Welt“, d.h. des Planeten zusteht. Offenheit, Vielfalt und die Welt erzeugen ebenfalls positive Assoziationen. Die fröhlichen Farben des Plakats unterstreichen diese Beobachtung.

Dem zweiten Plakat ist eine eindeutige Entwicklung zu entnehmen. Es bewirbt dieselbe Art der Veranstaltung, jedoch hat sich der Veranstaltungsrahmen deutlich geändert. Das Adjektiv „intercultural“, das auf dem ersten Plakat derart deutlich zu erkennen war, wurde in das Hauptlogo verlagert. Das Plakat behält den festlichen Akzent bei, jedoch treten zwei Begriffe stark in den Vordergrund, die mit ihm in Verbindung gesetzt werden. Erstens der Begriff der Nation und zweitens verschiedene kommerzielle Begriffe (z.B. Global Market, Gastronomie und Cocktails).

Beide Plakate setzten das Konzept der Interkulturalität mit dem Begriff der Nation in Verbindung. Auf dem ersten Plakat erscheint der Begriff auf sehr subtile Weise: Er war in zwei der drei Hashtags zu finden, wobei den Begriffen interkulturell und Kultur die größte Relevanz zukam. Zehn Jahre später wird die Veranstaltung vorrangig als ein Markt der Nationen aufgefasst, was sich deutlich in dem Bild widerspiegelt, das die Grenze zwischen den Konzepten Wohnung, Gated Community oder Geflüchtetenlager aufhebt. Diese Priorisierung des Begriffs der Nation wird problematisiert, indem er im Hashtag unten links mit der Prävention von Rassismus assoziiert wird: „[Q]ue el racismo no te cale“ („Lass dich vom Rassismus nicht kriegen“). Außerdem ist eine zunehmende Kommerzialisierung von Kultur erkennbar: Auf der rechten Seite sind die geplanten verschiedenen kommerziellen Aktivitäten aufgeführt: Gastronomie, Cocktailbar, Markt, Musik, die von Adjektiven begleitet werden, die eine scheinbare Ähnlichkeit zum Begriff der Interkulturalität aufweisen: international, global, World. Interessant ist zudem die Vielzahl der englischen Begriffe. Abschließend wird mit dem Slogan #sienteelmundo (#feeltheworld) der rationale Teil von Kultur in den Hintergrund gerückt, sodass das emotionale Erleben bedeutsam wird.

2) Interkulturell und Interkulturalität werden dadurch definiert, dass sie in einem gegebenen Kontext gemeinsam mit anderen ähnlichen Begriffen auftreten. In diesem Fall würde die am häufigsten auftretende Begriffskombination mit multikulturell und Mulitkulturalismus gebildet werden. Eine Definition der Begriffe interkulturell und Interkulturalität ist ebenfalls möglich, wenn man sie zu möglichen Gegensätzen in Beziehung setzt, z.B. Assimilation. Jede Verwendung hat unterschiedliche Auswirkungen im Hinblick auf die Konzeption der Citizenship und seiner Verbindung zu Kulturen. Der Tabelle in Abb. 3 ist zu entnehmen, welche Implikationen aus den jeweiligen Begriffen im Hinblick auf Menschenrechte hervorgehen, wobei angenommen wird, dass in ihrer Verwendung Abweichungen möglich sind.

Die Tabelle zeigt eine Matrix zu Steuerungsmaßnahmen der Einwanderung, in der die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte und die Bürgerrechte sowie die Entwicklung der Gemeinschaft und des sozialen Zusammenhalts in Verbindung zu den politischen Strategien gesetzt werden, Gastarbeiter*innen zu beschäftigen sowie Assimilation, Multikulturalismus und Interkulturalismus zu betreiben.
Abb. 3. Quelle: Manual de competencias interculturales aplicadas al desarrollo de proyectos en la Administración Pública (2020). This material is intended for educational purposes under the ‘illustration for instruction’ exception.

Aktivität

In der vorherigen Aktivität haben wir Sie gebeten, Ausdrücke zu finden, in denen der Begriff interkulturell in Ihrem Umfeld verwendet wird. Einige von ihnen stehen in Zusammenhang mit Migrationskontexten. Wir schlagen nun  folgende Aktivitäten vor:

  1. Schauen Sie sich die oberste Zeile der Tabelle an, hier ist die Art der jeweiligen Rechte angegeben. Finden Sie Beispiele für jede dieser Arten von Recht (z.B. umfassen die wirtschaftlichen Rechte der Europäischen Union das Recht auf gerechte Bezahlung für geleistete Arbeit sowie das Streikrecht).
  2. Schauen Sie sich nun die linke Spalte an, in der die verschiedenen Modelle zur Steuerung der Migration oder des Umgangs mit der Minderheitenbevölkerung aufgeführt sind. Welches Modell ist Ihrer Meinung nach in Ihrem Land am weitesten verbreitet?
  3. Welchem Modell würde die Verwendung des Begriffs interkulturell auf den Werbeplakaten für die oben aufgeführten Veranstaltungen entsprechen?
  4. Reflektieren Sie den Sprachgebrauch. Würde die Bezeichnung der Veranstaltung als ein „Multikulturelles Festival“ oder als ein „Assimilationsfestival“ im Sinne des politischen Marketings dieselbe Wirkung erzeugen?

Einige Kernpunkte

Oftmals wird die Zielsetzung dieser Art von „Messen der Nationen“ institutionell festgelegt und besteht in einer angestrebten Förderung von Toleranz als Tugend in diversen Kontexten. Dies wäre das Hauptanliegen im Falle der obengenannten Stadtverwaltung. Die UNESCO definiert Toleranz folgendermaßen:

Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch die Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens.

Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass Toleranz einen recht konsensfähigen Wert in demokratischen Gesellschaften darstellt. Der Rechtsdiskurs gestaltet sich jedoch weitaus komplexer und erreicht nicht immer denselben Grad des Konsenses, der nötig ist, um eine inklusive, solidarische, gerechte und friedliche Gesellschaft aufzubauen. Die Förderung der Interkulturalität im kommunalen Rahmen, wie in dem untersuchten Fall, sollte eine Ausweitung der Bürgerrechte ungeachtet der Kultur nach sich ziehen.

  • Die dem Begriff der Kultur zugrundeliegende Konzeption: Die Konzeptionen von „Kultur“ unterscheiden sich je nach Sprecher*in und je nach Kontext. Diese Abweichungen können in Abhängigkeit von anthropologischen und politischen Standpunkten stark voneinander abweichen. Diese zeigt, dass wir jeden Begriffsgebrauch kritisch analysieren müssen.

Aktivität

Mit welchen Begriffen assoziieren Sie üblicherweise den Begriff „interkulturell“? Sind es dieselben, die in Ihrem Umfeld (Familie, Gemeinde, Politik) mit ihnen verbunden werden?

Aktivität

Häufig wird “interkulturell” in unserem Umfeld auch mit dem Konzept der „Nation“ assoziiert. Wissen Sie, woher die Idee einer Nation als monokulturelle Entität stammt? Stimmen Sie mit den traditionellen Assoziationen von Sprache, Kultur und Nation überein? Glauben Sie, dass sie die Denkweise Ihres Umfeldes beeinflussen?

Einheit 1.2. Das Wechselspiel zwischen den Konzepten der Nation, Sprache, Kultur und Interkulturalität.

Wir müssen auf die Geschichte blicken, um die Assoziation zwischen Nationen, Sprachen und Kulturen zu verstehen.  Wir empfehlen Ihnen, den Artikel des Historikers José Andrés Gallego des Spanischen Nationalen Forschungsrats zu lesen, den wir im Folgenden zusammenfassen.

Kulturelle Vielfalt stellt eine anthropologische Tatsache dar. Sie ist nicht nur in der Geschichte der Menschheit verankert, sondern ebenfalls in der Geschichte unserer Selbstwahrnehmung als Mensch. Wie Prof. Andrés-Gallego (2004) hervorhebt, war im römischen Reich der lateinische Begriff gens (von genus, Abstammung) gängig, um eine Gemeinschaft zu bezeichnen. Es existierte ebenfalls der Begriff Natio, der jedoch nicht so häufig verwendet wurde und auf die Fremdheit einer Person oder einer Gruppe referierte. Diese Bezeichnung hatte ihren Ursprung in dem lateinischen Homophon Natio (Geburt). Sowohl der Begriff Gens als auch der Begriff Natio wurden also schlichtweg verwendet, um menschliche Gemeinschaften zu bezeichnen, die auf Grundlage ihrer spezifischen Bräuche definiert wurden. Im Laufe der Zeit hat der Begriff Gens eine allgemeinere Bedeutung (Volk) angenommen, während der Begriff Natio, wie wir noch feststellen werden, zu einem viel späteren Zeitpunkt eine viel stärker restriktivere Bedeutung als eine Gemeinschaft der Bräuche annehmen werden wird.

Im Römischen Reich existierten ebenfalls zwei unterschiedliche Begriffe zur Bezeichnung von Orten, die in Zusammenhang zur Gemeinschaft standen: Civitas und Patria. Civitats bezeichnete einen von einer menschlichen Gemeinschaft bewohnten Ort. Er wurde von der Rechtsprechung festgelegt und referierte somit auf eine politische Realität. Der Begriff  Patria bezeichnete ebenfalls einen Ort, der von einer menschlichen Gemeinschaft bewohnt wurde, allerdings wurde er gebraucht, um eine wahrgenommene Verbundenheit zu diesem Ort auszudrücken. Somit konnte sich ein*e Bürger*in des Römischen Reichs z.B. gleichzeitig als Patriot*in seiner Herkunfts-Civitas sowie als Patriot*in Roms betrachten, das als Heimat aller Bürger*innen des Reiches angesehen wurde.

Interessanterweise setzte sich der Begriff Nation erst mit der Entwicklung der europäischen Universitäten im 13. Jahrhundert durch, um den nicht ortsansässigen Teil des Lehrkörpers und der Studentenschaft zu bezeichnen. Es war die Universität von Bologna, an der eine rasante Verbreitung dieses Begriffsgebrauchs verzeichnet wurde. Von diesem Zeitpunkt an bezeichnete der Begriff der Nation in den romanischen Sprachen die Gemeinschaft, die über Verwandtschaftsbeziehungen entsteht: Eine Bluts-, elterlich-familiäre und physische Verwandtschaft, die, wenn sie sich als Familie konstituierte, als Träger einer spezifischen Kultur fungierte. Die Nation definiert somit eine „ethnische“ Gemeinschaft, in der die Blutsgemeinschaft und die Gemeinschaft der Kultur bereits vereint sind.

Auch der Begriff der Kultur hat eine eigene Geschichte. Seine etymologischen Wurzeln liegen im Lateinischen, in dem er „Kultivierung“ und „Landwirtschaft“ bedeutete und im übertragenen Sinne die „Handlung über den Hofstaat zu walten“ bezeichnete. Bereits 1638 formulierte Bernardo Davanzati den Ausdruck Cultura Civile und verband damit die Konzepte der Kultur und der Staatsbürgerschaft (Civitas) miteinander. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Präferenz der aufklärerischen Bewegung im 18. Jahrhundert für die Begriffe civiliser und Civilisation zur Bezeichnung der Kultur einer Epoche verstehen.

Es ist interessant festzustellen, dass das Konzept der Nation als Verwandtschaftsgemeinschaft es einem Individuum in all diesen Jahrhunderten ermöglichte, Staatsbürger*in verschiedener Nationen zu sein, je nachdem, wo und wie es seine Zugehörigkeit begründete. Einem Individuum war es möglich, sich als Staatsbürger*in verschiedener Nationen aufzufassen, wenn verschiedene Verwandtschaftsverhältnisse zu ihnen bestanden. Häufig hatte die Nation die Funktion, je nach politischem Interesse flexible Gruppen zu bilden. Dies war beispielsweise auf dem Konstanzer Konzil im 15. Jahrhundert der Fall, bei dem die Teilnehmenden, sowie es in den Universitäten bereits die Regel war, in die französische Nation, die englische Nation, die italienische Nation sowie die deutsche Nation unterteilt wurden. Interessanterweise wurde unter die deutsche Nation hierbei zudem die ungarische, tschechische, polnische, dänische und schwedische Bevölkerung gefasst. Hierbei handelt es sich lediglich um ein Beispiel dafür, dass der Begriff der Nation nicht seine gegenwärtige Bedeutung hatte.

Im Gegensatz zu dieser flexiblen Auffassung entstand im 18. und 19. Jahrhundert allmählich ein restriktiver und ausgrenzender Begriffsgebrauch. Das erste Wörterbuch der Académie Française (1694) definiert die Nation als „Gruppe der Einwohner*innen, die demselben Rechtssystem unterliegen und dieselbe Sprache verwenden“. Bereits 1729 grenzt Fray Jerónimo de Feijoo die Vaterlandsliebe („love of country“) von nationaler Leidenschaft („national passion“) ab, wobei er erstere als zulässig und einforderbar, letztere hingegen als ordnungswidrig und beunruhigend einstuft. Er prangert ebenfalls mittels eines neuen Begriffes, Paisanismo, die Ausübung einer konkreten Form der nationalen Leidenschaft an, die darin bestand, bei der Bildung des Regierungsstabes Personen des eigenen Landes vorzuziehen.

Das Werk Essais sur le génie et le caractère des nations von François-Ignace d’Espiard de la Borde, das im Jahre 1743 veröffentlicht wurde, befürwortet das Vorhandensein eines Nationalcharakters, der seine Prägung im Klima und in der Geschichte erfahre. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelten verschiedene europäische Denker*nnen diese Idee des spezifischen Nationalcharakters eines jeden Volkes über Jahrzehnte hinweg weiter. 1768 veröffentlichte Justus Möser die Osnabrückische Geschichte, in der er Nation als die Gesamtheit der Bürger*innen, die in einem politischen Raum versammelt sind, definiert. Diese Definition verweist darauf, dass Nationen nicht als in sich geschlossene kulturelle Räume, sondern als weltoffen aufzufassen sind. Emmanuel J. Sièyes ergänzt in Qu’est-ce que le tiers état? (1789) die Idee der Herkunfts- und Kulturgemeinschaft um die Vorstellung, dass alle Kräfte der Nation vom Willen des Volkes ausgehen. Die Nation wird somit nicht mehr als etwas Gegebenes (Verwandtschaft) und Geformtes (Kultur) verstanden, sondern unterliegt der Entwicklung des Volkes.

Deutsche Philosoph*innen verstärkten diese Verbindung zwischen Nation, Volk und Kultur. Johann Gottfried Herder greift das Verständnis der Nation, das mit Blutverwandtschaft und Kultur verknüpft ist, in Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit (1774) und insbesondere in Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784-1791) auf. Herderach zufolge verfüge jede Nation über einen Volksgeist, der sowohl in jedem Mitglied der Gemeinschaft als auch in der Nation Ausdruck finde; jede Nation definiere sich über eine Sprache, Bräuche sowie eine spezifische Mission in der Geschichtsschreibung.

Friedrich von Schlegel definiert die Nation in Die Entwicklung der Philosophie als einen moralischen und kulturellen Zusammenschluss, ähnlich einer großen Familie, in der eine Vielzahl an Familien und Stämmen durch eine geteilte Verfassung, Sprache sowie durch Sitten und Interessen, an denen alle teilhaben, miteinander verbunden seien. Johann Gottlieb Fichte verstärkt die Identifikation zwischen einem Volk, einer Nation und einer Kultur in seinen Reden an die deutsche Nation (1807-1808), in denen er die Nation definiert als: “[A] group of men who speak the same language: who have suffered in their vocal organ the same external influences and who cultivate their language through the communications which they never cease to have with one another. Ultimately, men are formed by language, rather than language being formed by men”. Die Nation werde daher über eine Sprache, eine Kultur und ein geteiltes Schicksal definiert. Das Bildungssystem solle daher in den Dienst der Vermittlung des nationalen Kulturgutes gestellt werden. Fichte ging einen Schritt weiter: Er war der Auffassung, dass nicht alle Nationen in gleichem Maße zu achten seien, zumal ihr Wert von dem Entwicklungsstand des moralischen und kulturellen Fortschritts abhängig sei. Auch seiner Ansicht nach seien Kulturen geschlossene Einheiten.

Dieses Konzept der Nation der Philosoph*innen der deutschen Romantik – Die Nation sei eine ethnische Gemeinschaft, der eine Seele, eine Sprache und eine notwendigerweise politische Berufung inhärent sei– wird sich weltweit verbreiten. Auch wenn viele Romantiker*innen stark kosmopolitisch ausgerichtet waren, zeigt die Geschichtsschreibung, dass einige dieser Ideen, die in einem derart spezifischen Kontext entstanden, nämlich der Forderung einer deutschen Einheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die Realität vieler Nationen über Jahrhunderte hinweg strukturiert haben. In ihrer perversesten Auffassung liegt dieses Gedankengut den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts sowie den rassistischen Bewegungen des 20. und des 21. Jahrhunderts   zugrunde. Im Gegensatz zu denjenigen, die diese Auffassung von Kultur und Sprache als geschlossene, an die nationale Identität gebundene Realitäten begreifen, besteht ebenfalls die Position derjenigen, die die Sprache und Kultur eines Landes als eine offene, häufig pluralistische und sich in ständiger Entwicklung befindende Realität begreifen und diese Auffassung verbreiten. In gewisser Weise führen sie die Ansätze, die vor den Auffassungen des 19. Jahrhunderts entstanden sind, fort. Es liegen unzählige historische, sprachliche und kulturelle Belege für die kontinuierliche und gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher Kulturen und Sprachen vor. Diese lässt sich nicht nur mit den ständigen Bevölkerungsbewegungen begründen, sondern liegt ebenfalls in der Natur des Menschen, der Kultur und der Sprachen selbst. Wenn Sie mehr über diese Aspekte erfahren möchten, möchten wir sie auf das Modul 10 zu Kultur- und Sprachmanagement in Grenzregionen hinweisen.

Aktivität

Wir möchten Sie dazu anhalten, sich die Videopräsentation der hervorragenden Ausstellung im Museo del Prado Velazquez, Rembrandt and Vermeer. Miradas afines anzusehen, die den enormen Einfluss der nationalistischen Ideologie des 19. und 20. Jahrhunderts auf unsere Wahrnehmung von Kunst offenlegt. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum und 15 weiteren Leihgebenden, darunter das Mauritshuis in Den Haag, die National Gallery in London und das Metropolitan Museum in New York, realisiert wurde, versammelt 35 außergewöhnliche Werke, die das kulturelle Schaffen als offene Realität zeigen. Überlegen Sie: Welche im Video genannten Elemente zeigen, dass Kunst nationale Grenzen überschreitet?

Ausstellung: “Velázquez, Rembrandt, Vermeer. Miradas Afines” – YouTube (mit englischen Untertiteln)

Das gesamte Material der Ausstellung können Sie hier einsehen:  Velázquez, Rembrandt, Vermeer. Schöne Aussichten – Ausstellung – Museo Nacional del Prado (museodelprado.es)

(Website auf Englisch und Spanisch)

Einige Kernpunkte

Der spanische Philosoph José Ortega y Gasset (1883-1955) stellt fest: “[T]he unity of Western painting is one of the great facts that make manifest the unity of European culture”. Bei der Einheit der westlichen Malerei handle es sich also um einen der stärksten Ausdrücke der Einheit europäischer Kulturen. Somit trägt sie dazu bei, die tief verwurzelte Vorstellung der Romantik der Nation zu dekonstruieren. Ein kurzer Blick in die Literaturgeschichte bekräftigt dieses Argument: die Befassung mit dem Artus-Zyklus in der mittelalterlichen Literatur, der Renaissance, den Auswirkungen der protestantischen Reformation(en), der barocken Sensibilität, sogar der Verbreitung der deutschen Romantik selbst sowie mit dem Realismus oder der Avantgarde im gesamten Europa. Es handelt sich allesamt um Phänomene, die sich aus einer isolierten nationalen Perspektive nicht erklären lassen. Zusammengeführt mit der Erkenntnis, dass Sprachen und Kulturen einander gegenüber offen sind und sich kontinuierlich weiterentwickeln, ist Interkulturalität keineswegs als ein Aufeinandertreffen geschlossener und undurchlässiger nationaler Kulturen aufzufassen, die sich zur Verfolgung spezifischer Ziele zusammenschließen. Ein korrektes Verstehen von Kulturen im 21. Jahrhundert erfordert nicht nur ein Bewusstsein für das, was wir sind, sondern auch für all das, was das andere in uns ist.

Interkulturalität stellt somit sowohl eine Lebensweise als auch einen Prozess dar, denen ein transformativer Ansatz zugrunde liegt. Ausgangspunkt ist dabei eine Selbsterkenntnis und ein Anerkennen von Diversität und es werden Bedingungen für einen Dialog sowie interkulturelle Beziehungen geschaffen. Hierbei ist grundlegend, dass beide Seiten die Würde der anderen Kultur in gleichem Maße achten, sodass sich einander ergänzende und zukunftsfähige Lebensweisen geschaffen werden können. Dimensionen der Interkulturalität treten in allen Lebensbereichen auf, auch im persönlichen Bereich. Wir möchten Sie dazu anhalten, diese Dimension in der folgenden Aktivität zu erkunden.

Aktivität

Das Konzept der Nation der Romantik hat eine stark stereotypisierte Sichtweise auf Menschen, denen häufig der Charakter ihrer Nation zugeschrieben wird, entworfen.

  1. Überlegen Sie: Welche Stereotypen sind üblich, wenn man über Ihr Land spricht? Stimmen Sie mit denen überein, die Ihrer Erfahrung nach Ihre persönliche Identität definieren?
  2. Es ist nicht immer einfach, diese Bilder von nationaler und persönlicher Identität zu dekonstruieren. Wir empfehlen Ihnen, einen Blick auf eine Werbekampagne zu werfen, die dazu beiträgt, Stereotype dieser Art zu dekonstruieren. Sie heißt The DNA Journey und wurde von der Danish advertising company &Co und der Produktionsfirma Bacon für Momondo entworfen. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit dem Video.
  3. Können Sie einen Aspekt des Videos nennen, der Sie überrascht hat oder für Sie interessant war?

Einige Kernpunkte

Kulturelle Stereotypen sind eine Form der Kategorisierung, die es, wie alle Stereotypen, schwierig machen, Menschen mit ihren individuellen Persönlichkeitsmerkmalen kennenzulernen. Für uns Menschen ist es einfacher, eine Beziehung zu Gleichgesinnten aufzubauen, und wir müssen lernen, mit Vielfalt umzugehen. Hier folgen einige Strategien des Diversitätsmanagements.

Die gängigsten Strategien des Diversitätsmanagements sind:

  • Leugnung: Leugnen, dass der Unterschied existiert, und so tun, als ob uns nichts unterscheiden würde. Dies mag kurzfristig wirksam sein, aber mittel- und langfristig führt dieser Umgang zu Konflikten, zumal er den anderen unsichtbar macht und die Durchsetzung des hegemonialen Modells impliziert.
  • Polarisierung: Die Beurteilung von Unterschieden als das Element, das uns definitiv vom anderen trennt. Dieser Umgang führt direkt zu einem Konflikt.
  • Minimierung: Der Fokus auf Gemeinsamkeiten als Strategie zur Minimierung ihrer Auswirkungen auf die Beziehung. Das Risiko dieser Strategie besteht darin, dass sie, wenn sie langfristig beibehalten wird, oberflächlich und unhaltbar wird.
  • Akzeptanz: Den Unterschied wahrnehmen und versuchen, seine Daseinsberechtigung und seine Folgen für die Beziehung zu verstehen. Dies erfordert von allen Beteiligten größere Anstrengungen als die vorherigen Strategien. Sie ist langfristig nachhaltig, wenn sie mit Anpassungen verbunden ist.
  • Überlassung: Wahrnehmung des Unterschieds, aber absichtlicher Verzicht auf einen wesentlichen Teil der Vielfalt, um den Aufwand für das Verständnis und die Anpassung sowie das Risiko eines Konflikts zu minimieren. Kurzfristig mag dies nützlich sein, aber langfristig führt es zur Entfremdung und schürt Konflikte.
  • Anpassung: Den Unterschied wahrnehmen und die notwendigen Änderungen in der Beziehung vornehmen, die die gemeinsamen Ziele unter Berücksichtigung der Herstellung des Neuen und des Vielfältigen zu erleichtern. Das Risiko besteht darin, dass die Anpassung, wenn sie das Kriterium der Gegenseitigkeit nicht berücksichtigt, die gemeinsamen Ziele vernachlässigt und die Fortsetzung der Zusammenarbeit auf mittlere und lange Sicht verhindert.

Aktivität

Bestimmen Sie, welche dieser Strategien in der Bildungseinrichtung (Schule oder Universität) Ihrer Nähe und in Ihrem Umfeld am häufigsten eingesetzt werden.

Eine Umsetzung der positiven kulturübergreifenden Perspektive in den oben genannten Strategien beinhaltet:

 Wissen und Selbsterkenntnis: Beide Verfahren helfen, das eigene Rassistische Denken, Widerstände sowie Vorurteile zu überwinden. Sie fördern das Selbstwertgefühl der eigenen Identität mittels des Wissens, des Respekts und der Wertschätzung des anderen.

  • Respekt: Würdevolle Behandlung, respektvolles Zuhören, uneingeschränkte Anerkennung des anderen und Akzeptanz des Vorhandenseins anderer Interpretationsmodelle der Realität, die sich von den eigenen unterscheiden.
  • Horizontaler Dialog: Beinhaltet die Entscheidung für den Dialog und die gleichberechtigte Beteiligung an diesem und erkennt an, dass keine einseitigen Wahrheiten existieren.
  • Gegenseitiges Verständnis: Strebt aktiv nach gegenseitiger Bereicherung. Danach, sich auf den anderen einzustellen und nach einer Resonanz der Vorschläge des anderen in einem selbst. Es verbessert die Empathiefähigkeit, indem man sich in die Lage des anderen hineinversetzt.
  • Synergie: Garantiert die Vielfalt bei der Zusammenstellung von Teams, diverse Beiträge und die Arbeit und den Beitrag jedes Einzelnen, in dem Bewusstsein, dass das Team mehr darstellt als eine einfache Summe der Individualitäten.
  • Komplementarität: Fördert das Zusammentreffen von Gleichheit und Vielfalt sowie Strategien, die bestehende Machtasymmetrien in gegenseitige Vorteile umwandeln.

Aktivität

Können Sie Praktiken in Ihrem Umfeld ausmachen, die jeweils jeden der oben aufgeführten Werte fördern?

 

An dieser Stelle möchten wir Sie auf ein Video von der Fundación Futuro Latinoamericano: ¿Qué es la interculturalidad? – YouTube. hinweisen, um mehr über diese Kompetenzen zu erfahren. Zeigt das Video neue Strategien oder Werte auf?